Die Geschichte

Die Geschichte

Der Goldene Brief ist der originale Brief des birmanischen Königs Alaungphaya (1752–60) an den britischen König Georg II. Das Datum des nach der birmanischen Zeitrechnung datierten Briefes (10. Tag des ansteigenden Monds des Monats Kason 1118) entspricht dem 7. Mai 1756. Alaungphaya ist der Gründer der Konbaung-Dynastie, die in Birma bis 1886 herrschte.

Mon und Birmanen: Birma ist noch heute ein Vielvölkerstaat. Geprägt wurde die politische Geschichte der Region vor allem von den Birmanen und den Mon. Ab 1752 setzte sich Alaungphaya als Führer einer birmanischen Revolte gegen die Fremdbesetzung durch. Ursprünglich der Vorsteher einer Dorfgemeinschaft, konnte Alaungphaya dank seiner kämpferischen Erfolge zusehends Ansprüche auf die Regentschaft stellen. Infolge der Kriege, die er bis zum Ende seiner Herrschaft führte, setzte Alaungphaya der Mon-Herrschaft ein Ende (1757), erneuerte die birmanische Herrschaft und schuf staatliche Strukturen. Er verstarb kurz nach der Rückkehr von einem Kriegszug gegen Siam.

Die Europäer: Zur Zeit des österreichischen Erbfolgekrieges (1740–48) und des Siebenjährigen Krieges (1756–63) rivalisierten im Indischen Ozean die Flotten der französischen und englischen Ostasiengesellschaften. Sicher ging es dabei um den profitablen Handel mit den Mogulen. Aber zusehends ging es auch um französische und britische Interessen. Der Franzose Dupleix beließ es nicht beim Handel. Mit Truppen unterstützte er indische Fürsten ebenso wie die Herrschaft der Mon und wollte so Allianzen für die Compagnie des Indes Orientales sichern. Rasch kopierten die Engländer der East India Company diese Strategie. Dabei waren Letztere aber ungleich erfolgreicher – wie die Geschichte der Entstehung ihres indischen Kolonialreiches im folgenden Jahrhundert zeigt, nicht zuletzt dank königlichen Einsatzes.

Der Goldene Brief war 250 Jahre als Dokument birmanischer Kultur unbekannt, zählte gleichwohl zu den Preziosen der königlichen Bibliothek. Im Jahr 2007 hat die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek die Forschungen zu dem Brief angestoßen. Die Geschichte des Briefes selbst zeigt, wie zentrale Dokumente von welthistorischem Rang aus dem Gesichtsfeld geraten und wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit treten können.

Selbstverständlich wurde der Brief in der Bibliothek schon immer als besonders kostbares Dokument angesehen, dessen Bedeutung allerdings unbekannt war. Im Rahmen der engeren Geschichte des Dokuments ist die Frage der Reise des Goldenen Briefes von Rangun über Madras nach London und letztlich nach Hannover noch offen. Als Zeugnis materieller Kultur wirft der völlig einzigartige Brief auch Fragen zu seiner Herstellung und zur symbolischen Kraft und Bedeutung seiner Darstellung und Verzierung auf.

König Alaungphaya besitzt heute in Birma die gleiche identitätsstiftende Funktion in der nationalen, ja mythologisierenden Historiographie wie ein vergleichbarer Feldherr oder Reichsgründer in Europa. Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek besitzt einen unvergleichlichen Schatz birmanischen Kulturgutes. In Form und Inhalt ist dieser birmanische Königsbrief ein weltweit einmaliges Objekt.